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Als digitaler Nomade in der Corona-Krise

Plötzlich steht die Welt still. Alle bleiben zuhause, die Straßen sind leer, öffentliche Plätze geschlossen, Reisen werden nicht mehr angetreten. Das komplette öffentliche Leben wird eingestellt und man meidet Kontakt. Wer hätte gedacht, dass gerade dann, wenn wir uns entscheiden, die Welt zu bereisen, eine globale Pandemie ausbricht, die dafür sorgt, dass nicht nur die Aktienmärkte komplett einbrechen, sondern auch Reisen ins Ausland so gut wie unmöglich werden – und das nicht nur für ein paar Wochen, sondern vermutlich für mehrere Monate.

Kurz vorab: Wir wissen, dass wir hier natürlich nicht die Gruppe sind, die die Auswirkungen des Coronavirus am schlimmsten trifft. Das sind ganz klar die Leute in der Risikogruppe, für die eine Infektion das Leben bedeuten kann. Wir wollen uns an dieser Stelle eindeutig nicht mit diesen Personengruppen vergleichen. Trotzdem dachten wir, sei es einen Artikel wert, da wir durch Corona nun Einschränkungen und Risiken haben, die wir so vor Antritt der Reise nicht im Traum hätten abschätzen können.

Glücklicherweise haben wir uns (noch) nicht mit dem Virus infiziert, weswegen wir uns weder im Ausland haben behandeln lassen müssen, noch irgendwelche gesundheitlichen Risiken befürchten müssen. Aber trotzdem hat das Coronavirus eine große Auswirkung auf unser alltägliches Leben. Anders als jemand, der im schlimmsten Fall seinen Urlaub unterbrechen und wieder nach Hause zurückkehren muss, haben wir die Situation, dass wir ja nicht wirklich ein Zuhause haben, in das wir zurückkehren können. Natürlich hätten wir immer die Möglichkeit, diese Krise bei unserer Familie auszusitzen, aber da wir hier höchstwahrscheinlich nicht von ein paar Wochen, sondern eher Monaten sprechen, ist es aus gleich mehreren Gründen wohl nicht die erste Wahl.

Was macht man also, wenn plötzlich die ganze Welt den Tourismus abschafft, die Grenzen schließt und die Bevölkerung in der Wohnung einschließt? Man bleibt da, wo man gerade ist. Glücklicherweise ist das in unserem Fall ein Land mit einer guten gesundheitlichen Versorgung, in dem es uns gefällt und in dem wir für längere Zeit bleiben dürfen. Aber das war Glück und hätte auch anders ausgehen können. Auch Essenreserven oder Klopapier haben wir nicht auf Lager, und für immer reisende ist es nicht ganz einfach, diese aufzubauen. Schon jetzt wäre uns das Klopapier dank Hamsterkäufern einmal fast ausgegangen.

Dazu kommt natürlich, dass eine so spontane Planänderung nicht immer günstig ist. Auch hier hatten wir aber Glück. Normalerweise planen wir unsere Reisen und Unterkünfte immer etwa zwei Monate vorher. So auch jetzt. Momentan befinden wir uns in Estland. Geplant (und gebucht) war, dass wir in gut zwei Wochen nach Rumänien fliegen, um dort fünf Wochen zu bleiben. Da es keinen Direktflug gab, mussten wir hier leider über Polen buchen. Die haben aber plötzlich alle Flüge weitläufig gestrichen und damit auch unsere Möglichkeit, das Land zu wechseln. Doch selbst wenn wir einen Direktflug gehabt hätten, hätten wir uns nicht darauf verlassen können, da in zwei Wochen viel passieren kann und Rumänien bis dahin höchst wahrscheinlich ebenfalls das Einreisen verboten hätte. Glücklicherweise heißt ein abgesagter Flug aber auch, dass wir die Flugkosten und sogar die Kosten für die Airbnb-Wohnung (und für einen gesamten Monat ist das nicht gerade wenig) wieder erstattet bekommen haben.

Das hätte aber auch ganz anders ausgehen können. Es wäre gut möglich gewesen, dass wir weder Flug noch Wohnung hätten erstattet bekommen. Zwar haben wir eine entsprechende Reiseversicherung abgeschlossen, die uns im Krankheitsfall die Kosten zurückerstattet hätte, aber ihr wisst ja, wie das mit Versicherungen so ist. Meistens stellen diese sich in solchen oder ähnlichen Fällen quer, und auch hier würde man (zumindest ohne Verfahren) keinen Cent sehen. Äußere Gewalt, faule Ausreden, keine Lust zu zahlen, ihr kennt das ja. Aber wir hatten Glück.

Das einzige, was jetzt also noch zu tun bleibt, ist eine Bleibe zu suchen, bis das Ganze vorbei ist. Wenn man als EU-Bürger zufälligerweise – so wie wir – in einem EU-Land ist, hat man hier auch Glück. Man muss sich also nicht Sorgen um ein auslaufendes Visum machen, sondern kann „einfach“ auf Wohnungssuche gehen. Wäre Corona zwei Monate später ausgebrochen, würden wir nun in Asien sitzen und hätten vermutlich größere Probleme. Das Positive an Corona ist aber: Plötzlich ist bei Portalen wie Airbnb alles frei. Komischerweise bucht niemand mehr Ferienwohnungen und man hat eine ganze Menge guter Unterkünfte zur Wahl, die plötzlich auch noch günstiger sind als normalerweise. Perfekt für uns! Wir haben dementsprechend nun für die kommenden zwei Monate bis Anfang Juni einen Platz gefunden, der (hoffentlich) unseren Ansprüchen entspricht. In zwei Wochen, wenn unsere aktuelle Wohnung dann ausläuft, müssen wir also nur noch einmal quer durch die Stadt zur neuen Wohnung kommen. Hoffen wir mal, dass es zu dem Zeitpunkt keine strikte Ausgangssperre gibt und die Busse noch fahren.

Fazit: Als digitaler Nomade hat man definitiv viele Vorteile: Man kann die Welt sehen, ist ortsunabhängig, kann beschließen, wo man als nächstes wohnen möchte und hat das, was man in der heutigen Welt als grenzenlose Freiheit sieht. Aber, wie mit allem, zahlt man auch hier einen Preis, nämlich den Preis der Unsicherheit. Während man in normalen Zeiten als DiNo (zumindest in unserem Tempo) immerhin noch eine Sicherheit von etwa zwei Monaten im Voraus hat, wird diese Zeit in Krisensituationen natürlich drastisch verkürzt und man ist plötzlich nicht einmal mehr in der Lage, zwei Wochen vorauszuplanen. Wir sind auf jeden Fall sehr froh darüber, dass wir in diesem Fall bisher so viel Glück hatten und auch unsere Jobs nicht immanent gefährdet sind.

Doch gerade in einer solchen Situation ist es denke ich sinnvoll, noch einmal zu erwähnen, dass ein finanzielles Polster bei solchen Projekten essenziell ist. Hätten wir dieses nicht, würden wir in dieser Situation vielleicht ganz anders dastehen. Auch, wenn wir viel Glück hatten, müssen wir trotzdem über Tausend Euro vorstrecken, da Erstattungsprozesse oft einige Wochen dauern. Wenn dann noch Zahlungsausfälle durch Kunden oder den Arbeitgeber hinzukämen, würde das Ganze noch einmal schlimmer aussehen. Rechnet also bitte immer mit dem Schlimmsten, zumindest, wenn es um die Wohnung und das Essen geht.

Bildquelle: Pexels

Veröffentlicht in Finanzielles

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