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Recap: Die Niederlande

Sicherlich möchtest du wissen, wie wir die einzelnen Länder auf unserer Reise so wahrgenommen haben. Hiermit stellen wir dir eine neue Beitragsreihe vor: Recaps
Unter den Gesichtspunkten Lebenshaltungskosten, Kultur, Infrastruktur und Globalisierung möchten wir dir mitteilen, wie unsere persönliche Erfahrungen in dem Land, aber natürlich ganz besonders in dem Ort in dem wir gelebt haben, für uns waren.

Rotterdam, Niederlande

03.11.2019 bis 19.12.2019

47 Tage waren wir in den Niederlanden. Das sind etwa sechs Wochen, so lang‘ wie die Sommerferien. Es war eine echt schöne Zeit, wir hatten mit dem Standort schon einen ziemlichen Glückstreffer, selbst wenn er einige Mankos hatte.

Nachbarn gab es nur in etwa 20 Meter Entfernung, die Sonnenuntergänge waren zu der Jahreszeit atemberaubend und es gab ziemlich viel Natur und Ruhe um uns.
Leider scheinen die Niederländer*innen total gerne bei Temperaturen nahe Null Grad Celsius Einer bis Achter Rudersport zu trainieren, weshalb wir vor unserem kleinen Heim täglich mehrere dutzend Menschen hatten, die neugierig in unsere Wohnung blickten. Auch die Containerschiffe und deren Kapitäne konnten sich blendend amüsieren sobald sie bei uns vorbei fuhren und wir auf deren energische Winke reagierten. Ach ja, und dann war da noch das Problem mit dem Bus der am Wochenende nicht fuhr…dazu aber mehr im Abschnitt Infrastruktur.

Rudersportler wenige Meter vor der Wohnung in den Niederlanden

Lebenshaltungskosten

Lebensmittel

Die Niederlande sind teuer. Im Vergleich zu Deutschland sogar ein Stück teurer. Lebensmittel wie frisches Gemüse, Obst, Brot, usw. kosten in etwa ähnlich. Sobald man aber verpacktes Essen, Fertiggerichte oder auch Hygieneartikel kaufen möchte, geht es preislich noch höher.

Beispielsweise kostet eine Shampoo-Flasche einer bekannten Marke in Deutschland etwa 3 – 4 Euro, in den Niederlanden zahlten wir 7 Euro.

Unser Wocheneinkauf belief sich im Schnitt auf etwa 80 Euro für zwei Personen, darin enthalten waren sowohl frische Lebensmittel wie auch verpackte Fertiggerichte. In Deutschland haben wir im Schnitt 60 Euro pro Woche ausgegeben. Wichtig hier: In Deutschland bestand unser Einkauf zu 80% aus Bio-Produkten, in den Niederlanden war es etwas schwieriger an Bio-Lebensmittel zu gelangen, weshalb unser Einkauf eher nur zu 40% aus Bio-Produkten bestand.

Miete

Als wir das DiNo-Leben vergangenes Jahr starteten, haben wir uns auch in Deutschland umgesehen. Kurzzeit-Mietwohnungen in Deutschland kosteten pro Monat bei kleinerer Quadratmeterzahl etwas mehr als unsere Miete, die wir in der festen Wohnung zahlten. Ähnlich ist es in den Niederlanden, was Kurzzeit-Mietwohnungen angeht.

Kultur

Die Menschen in den Niederlanden sind super freundlich. Hier lebt man die Offenheit und Freiheit der einzelnen Personen gefühlt mehr als in Deutschland. Gut erkennen konnte man das an den Sprachen. Die einen sprachen Englisch miteinander, die anderen Niederländisch, wieder andere Deutsch. Die meisten haben alles verstanden und mit jedem so gesprochen, wie es gerade am sinnvollsten war. Dabei hatten sie keine Probleme, zwischen den Sprachen zu wechseln. Außerdem wird gerne gegrüßt, und nette Gespräche mit Verkäufern oder anderen Fremden gehören zur Tagesordnung.

Blick auf unsere Wohnung und den Kanal direkt vor der Haustür

Infrastruktur

Wir haben direkt in der Nähe eines großen Universitätskampus gewohnt. Wir sind zwar nicht ständig im Berufsverkehr unterwegs gewesen, aber manchmal haben wir schon eine Feierabendstunde der Studenten erwischt.

Die Busse, Straßenbahnen und Züge sind zuverlässig wenn es um Pünktlichkeit geht. Zumindest außerhalb des Berufsverkehrs. Auch hier kommt es manchmal zu Ausfällen, jedoch wesentlich seltener als in Deutschland – zumindest unseren Ermessens nach zu urteilen.

Unsere Wohnung war sehr abgelegen, die Bushaltestelle an der wir einstiegen hatte nicht wirklich…eine Haltestelle. Ein einziges Schild mit Busfahrplan. Mehr gab es da nicht. Kein offizieller Stehplatz, auf der anderen Seite gab es noch nicht einmal einen Fußgängerweg. Aber der Bus ist dennoch nicht einfach an uns vorbeigefahren.
Dafür ist es uns ein- oder zweimal passiert, dass wir einige Minuten vor Abfahrt den Bus an uns vorbeifahren haben sehen, dabei waren wir keine 200 Meter von der Haltestelle weg. Doof gelaufen…
Wir vermuten, dass es an der abgelegenen Haltestelle lag, an der wahrscheinlich selten jemand ein oder aussteigt. Denn auf  einer Heimfahrt, wollte der Busfahrer noch nichtmal an der ausgeschriebenen Haltestelle halten, und fuhr uns fast bis zur nächsten. Dabei steht selbst auf der digitalen Anzeige im Bus die Haltestelle ausgeschrieben.

Die Kosten für den öffentlichen Personenverkehr sind ähnlich zu Deutschland. Dafür ist das Ticketsystem deutlich entspannter! Man kauft eine Chipkarte, die man aufladen oder auch seine Kreditkarte hinterlegen kann, und damit checkt man vor jeder Fahrt ein und dann an der Haltestelle aus. Kein Bargeld, kein unsinniger Tarifvergleich, kein Kauf drei Monate vorher, keine Spar- oder Flexpreise. Einfach ein Preis für alle.
Wichtig ist nur, dass man darauf achtet genügend Guthaben für bestimmte Fahrzeuge und Strecken zu haben. Eine Busfahrt beispielsweise sperrt eine Art Pfand von vier Euro bei jedem Fahrtantritt ab, die beim auschecken wieder anteilig gutgeschrieben werden. Bei Straßenbahnen erhöht sich der Preis des Pfands, und bei Zügen ist dieser mit 20 Euro am höchsten. Wer also weniger als 20 Euro Guthaben auf der Karte hat, kann auch nicht nur eine Station mit dem Zug fahren, auch wenn es vielleicht nur zwei Euro kosten würde.
Denn: Vergisst man auszuchecken, wird die volle reservierte Summe abgerechnet. Wer also bei der kurzen Strecke mit dem Zug vergisst, am Zielbahnhof die Karte an den Leser zu halten, zahlt direkt 20 Euro.

Edit (10.02.2020, 9:55 Uhr):

Fahrräder! Wir haben die Fahrräder vergessen zu erwähnen. Nicht, dass wir daran zweifeln, dass du jemals davon gehört hast wie sehr die Niederländer*innen ihre Fahrräder lieben, aber wir möchten hier nochmal unsere Erfahrungen festhalten.

In Utrecht hat letztes Jahr das weltweit größte Fahrradparkhaus seine Eröffnung gefeiert. So viele Fahrräder gibt es dort auch wirklich. Und dies macht sich auch in der Infrastruktur bemerkbar.

  1. Fahrräder haben eigentlich an allen nicht ampelgesteuerten Wegen Vorfahrt
  2. Fahrradstreifen gibt es nicht auf der Autofahrbahn, sondern getrennt (mit ganz wenigen Ausnahmen)
  3. Fußgängerwege sind sehr breit und ebenfalls getrennt vom Fahrradweg
  4. Manchmal enden Fußgängerwege überraschend, die nebenherlaufenden Fahrradwege werden aber weiter geführt
  5. Auch neben Schnellstraßen gibt es getrennte Fahrradwege

Als Fußgänger muss man beim Überqueren einer Straße nicht nur auf die Autos, sondern auch auf die Fahrräder achten. Da diese leiser sind, ist das für uns manchmal schon fast gefährlich geworden. Vor allem weil wir es aus dem rückständigen Deutschland nicht gewohnt sind gut ausgebaute Fahrradwege zu haben bei denen Fahrradfahrer überwiegend Vorfahrt haben. Das die Fahrradwege sowohl auf der rechten wie auch auf der linken Straßenseite vorkommen, mit jeweils gegensetzlichen Verkehrsrichtungen, machts nochmal schwerer.

Auto sind wir selbst nicht gefahren, dafür aber häufig mit dem Bus. Dabei ist uns extrem aufgefallen wie die Autofahrer (oder eben auch Busfahrer) in den Niederlanden den Fahrradfahrern die Vorfahrt lassen. An Kreuzungen wird erst gefahren, wenn der Abstand zum nächsten kreuzenden Fahrradfahrer mehr als ausreicht. Manchmal aber auch, wenn man schon einige Minuten gewartet hat (beispielsweise beim Feierabendverkehr mit erhöhtem Aufkommen), dann rückt man vorsichtig vor bis die Fahrradfahrer netterweise stehen bleiben und einen raus/rein lassen.

Globalisierung

Der Lebensstandard ist in den Niederlanden sehr mit Deutschland zu vergleichen. Natürlich gibt es hier und da ein paar andere Prioritäten, und generell scheint man ein paar Jahre weiter als in Deutschland zu sein, große Unterschiede gibt es aber eigentlich nicht. Entsprechend kommt man dank Amazon, Lieferando und anderen Onlineshops, aber auch durch eine flächendeckende Abdeckung von allgemein bekannten Läden vor Ort, eigentlich an alle Produkte, die man so aus dem alltäglichen Leben in Deutschland kennt. Ob es sich dabei um die erwähnten Bio-Produkte, Elektronik wie Notebooks oder Gadgets oder aber um Lieferservices oder Hygieneartikel handelt, spielt dabei keine Rolle.

Bunte Einkaufspassage in Den Haag

Fazit

Was die Atmosphäre angeht, sind wir schon von einigen Orten in den Niederlanden sehr überzeugt. Besonders Den Haag hat uns sehr gefallen. Auch die Leute vor Ort sind sehr zuvorkommend und geben einem das Gefühl, angenommen zu sein. Alles in Allem können wir die Niederlande (zumindest das Umfeld um Den Haag, Rotterdam und Delft) also durchaus empfehlen. Einen großen Kontrast zu Deutschland wird man dort aber nicht finden.

Aktuell sind uns die Niederlande jedoch etwas zu „teuer“. Deutschland zahlt im europäischen Vergleich, dafür dass wir ja doch ein eher reiches Land sind, relativ wenig für Lebensmittel. Wir wissen auch, dass Lebensmittel einen fairen Preis benötigen um eine gute Qualität zu haben, und auch um die Prozessketten fair zu entlohnen. Mit den weiteren Kosten für Miete, ÖPNV usw. müssen wir aber aktuell sagen, dass es für uns zu viel ist.

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