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Was, wenn der Laptop plötzlich kaputt geht?

Backups. Ein Thema, das bei vielen in der IT-Branche zwar sehr beliebt ist, gleichermaßen aber bei der allgemeinen Bevölkerung unbeliebt ist. Der Grund ist für mich auch völlig klar: Als ITler hat man höchstwahrscheinlich schon einmal die Erfahrung gemacht, wie viel Arbeit und Geld ein fehlendes Backup kosten kann. Als Normalanwender denkt man oft über eine solche Situation nicht wirklich nach.

Das heißt, bis es dann doch irgendwann mal so weit ist und der Laptop runterfällt, die interne Festplatte den Geist aufgibt oder eine Ransomware die ganze Festplatte verschlüsselt. Dann ist die Verzweiflung groß, da auf dem Hauptrechner oft doch sehr wichtige Dokumente liegen, die man im Laufe der Zeit gerne mal vergisst. Manchmal sind es Fotoalben mit einem großen mentalen Wert, das Elster-Online oder Banking-Zertifikat, die fast fertige Doktorarbeit oder das Passwort für das E-Mail-Konto. Einige unserer digitalen Dokumente sind teilweise nicht oder nur sehr schwer wiederherzustellen. Gehen diese einmal verloren, haben wir ein großes Problem und gegebenenfalls großen Aufwand, um sie wiederzubeschaffen.

Schlimmer wird es dann, wenn man seinen Job am Rechner verrichtet und dort Dokumente fürs aktuelle Projekt, Skizzen oder Notizen hat, die plötzlich verschwinden. Gegebenenfalls vernichtet man damit einen ganzen Monat Arbeitszeit, oder den einzigen Zugang zu einem wichtigen Projekt. Dazu kommt, dass man im Falle eines Totalausfalls eventuell mehrere Wochen lang nicht mehr produktiv arbeiten kann, weil man mit der Wiederherstellung der Daten beschäftigt ist. Rundum also eine Thematik, die man wenn möglich vermeiden möchte.

Das ist besonders dann schwer, wenn dieser Fall bei einem selbst noch nicht eingetreten ist und man die Schmerzen des fehlenden Backups nicht am eigenen Leibe erfahren hat, besonders, weil das Verwalten einer aktiven Backup-Strategie doch immer mit (zumindest etwas) Aufwand verbunden ist, und man sich anfangs wirklich zwingen muss, dies auch regelmäßig durchzuführen. Doch gerade als DiNo ist es besonders wichtig, eine solche Strategie zu haben.

Warum sind Backups gerade für Digitale Nomaden relevant?

Während in einem normalen Haushalt der primär verwendete Computer vorwiegend daheim an einem sicheren Ort steht und man oft mehrere Geräte im Haushalt hat, ist die Situation für DiNos etwas anders: Wer mit wenig Gepäck reist, hat nur einen Laptop dabei. Im Falle eines Fehlers kann man also nicht mal eben auf den zweiten Rechner wechseln und dort weiterarbeiten. Fällt dieses System aus, ist es mit der Arbeit so lange vorbei, bis für Ersatz gesorgt wird. Zudem ist der Laptop oft (zumindest für Geräte) gefährlichen Lebenssituationen ausgesetzt: Er wird die ganze Zeit rumgetragen, steht oft auf viel zu kleinen Tischen, ist immer unterwegs, landet am Flughafen bei der TSA, und sitzt gerne neben der Tasse mit dem Morgenkaffee. Dass gerade letzteres ungünstig enden kann, habe ich vor ein paar Monaten selbst erlebt.

Mit einem verschließbaren Kaffeebecher habe ich nun aus dieser Erfahrung meine Lehre gezogen, sodass ich hoffe, dass mir dieser Fehler nicht noch einmal passiert. Trotzdem kann ich nicht mit Sicherheit sagen, dass der (nach des Kaffee-Incidents neue) Laptop die kommenden Jahre klaglos überstehen wird. Vielleicht wird der Laptop geklaut, vielleicht geht das Netzteil aufgrund einer nicht richtig verkabelten Steckdose kaputt, vielleicht wird er in der Tasche zu heiß oder vielleicht fällt er auch einfach nur runter. Kurzum, ich kann nicht garantieren, dass meiner Hardware nichts passiert. Umso wichtiger ist es, dass ich dafür sorge, dass selbst wenn der schlimmste Fall eintritt, ich innerhalb eines Tages wieder einsatzfähig bin.

Mein Laptop mit Kafee im Lüftungsschlitz

Allgemeine Prävention

Um sich allgemein so gut es geht vor Ausfällen und Risiken zu schützen, haben wir uns folgenden Plan zurecht gelegt, den ich jedem, der ein ähnliches Abenteuer unternimmt, ebenfalls wärmstens empfehlen kann:

1. Stellt sicher, dass eure technischen Geräte während der Reise gut geschützt sind. Holt euch eine Laptophülle* und einen Rucksack mit einem Laptopfach. Achtet darauf, dass das restliche Gepäck nicht zu sehr – und besonders nicht unregelmäßig – auf das Gerät drückt, da sonst der Bildschirm gerne mal dran glauben kann. Holt euch zudem für alle Geräte, für die es geht, eine Hülle oder mindestens ein Skin. Vorwiegend betroffen sind vermutlich Smartphone, Laptop und Tablet.

2. Schließt für teure Geräte eine Versicherung ab. Mittlerweile gibt es Versicherungen für fast alles, so unter Anderem auch für Laptops und Smartphones. Rechnet durch, ob sich eine Versicherung für euer Gerät lohnen würde. Gerade bei hochpreisigen und neuen Laptops lohnt es sich, eine solche Versicherung abzuschließen. Für mich persönlich lohnt sich die Versicherung, wenn ich davon ausgehe, dass ich meinen Laptop zumindest einmal in 5 Jahren runterschmeiße.

3. Achtet auf das Wohlbefinden eurer Geräte. Achtet darauf, Laptop und Smartphone nicht an zu kalten oder heißen Orten zu lagern. Nicht empfehlenswert sind Fensterbänke im Winter oder Heizungen. Bei zu extremen Temperaturen nehmen eure Akkus schaden und können im schlimmsten Fall sogar explodieren. Zudem kann ich – aus eigener Erfahrung – einen Coffee-Cup* empfehlen, der beim Umkippen seine Inhalte nicht sofort preisgibt. Das ist nicht nur gut für die Umwelt und den Geldbeutel, sondern hilft auch beim Laptop. Gerade vor dem ersten Kaffee ist man ja doch teilweise etwas grobmotorischer unterwegs.

Kommen wir zu den Backups

Die allerwichtigste Prävention ist aber natürlich das eingangs erwähnte Backup. Nachfolgend möchte ich aufzeigen, welche Strategie wir verwenden, und welche ich dir empfehlen kann. Unterteilt habe ich das Ganze in unterschiedliche Sektionen, die jeweils ein wichtiges Konzept widerspiegeln. Eine gute Backup-Strategie sollte all diese Punkte erfüllen.

1. Alle Geräte müssen im Backup enthalten sein

Klingt erstmal logisch, wird aber oft vergessen. Der Laptop ist natürlich klar dabei, aber auch das Smartphone oder Tablet sollten gesichert werden. Nicht zuletzt, weil dort oft Zwei-Faktor-Tokens oder Skizzen zu finden sind, die im Verlustfall eventuell schmerzen. Achtet also darauf, eure Daten entweder per Cloud zu sichern (einfacher, aber nicht unbedingt empfehlenswert), oder regelmäßig über einen Backup-Mechanismus auf den Laptop. Das iPhone bzw. iPad kann das direkt über den Finder bzw. iTunes automatisch bei jedem Anstecken an den Laptop, und für Android gibt es je nach Hersteller ähnliche Konzepte.

Ich persönlich verwende hierfür die Strategie über die Cloud (jedoch über eine selbstgehostete), sowie die Sicherung per Kabel/WLAN alle paar Wochen.

2. Egal welches Gerät ausfällt, das Backup muss vorhanden sein

Das beste Backup hilft nichts, wenn es im Fehlerfall auch verschwindet. Wer also seinen Laptop auf die interne Festplatte (eventuell auf einer zweiten Partition) sichert, oder das Backup-Passwort des Smartphones nur auf besagtem Smartphone speichert, hat sich zwar die Mühe des Backups gemacht, im Ernstfall aber nichts gewonnen. Achtet also immer darauf, dass das Backup des jeweiligen Gerätes auf einem anderen Gerät liegt.

In meinem Fall liegt das Backup von Smartphone und Tablet auf meinem Laptop. Das Backup des Laptops wird dann auf eine kleine externe Festplatte* geschrieben, die ich immer dabei habe. Dafür empfehle ich für Mac-Nutzer das integrierte TimeMachine-Feature. Windows-User haben eine ähnliche Funktion Namens Windows Backup bzw. File History.

3. On-Site und Off-Site

Ähnlich wie mit Punkt 2 verhält es sich auch hier: Wenn das Backup dort ist, wo der Fehler ist, ist das Backup im Notfall auch kaputt. Beispiel: Man hat die externe Festplatte immer am Laptop angeschlossen, fängt sich dann einen Virus ein, der alles verschlüsselt, und zack, ist auch das Backup verschlüsselt und damit wertlos. Alternativ kann im Falle eines Diebstahls eventuell die ganze Tasche geklaut werden. Inklusive Laptop und externer Festplatte.

Hier gilt es also mit einem Off-Site-Backup vorzusorgen: Die externe Festplatte sollte also wenn möglich nur beim Ortswechsel im Rucksack sein. Während man sich an einem Ort aufhält, ist man gut beraten, wenn man die Festplatte nicht mit dem Laptop zusammen mit ins Café nimmt, sondern sie einfach daheim lässt. Zudem sollte man auch ein Backup vom Backup anlegen.

Wer etwa regelmäßig bei den Eltern oder bei Freunden zu Besuch ist, zum Beispiel einmal alle paar Monate, kann sich eine zweite, günstigere externe Festplatte zulegen, und alle paar Monate das Backup auf diese Platte überspielen. So kann man, auch wenn der ganze Rucksack inklusive Backup gestohlen wird, innerhalb kürzester Zeit wieder auf einen halbwegs aktuellen Stand zurückkehren.

Ich persönlich habe eine Festplatte bei meinen Eltern abgelegt. Wichtige Unterlagen synchronisiere ich zusätzlich über die private Cloud.

4. Regelmäßigkeit und Versionierung

Wichtig ist außerdem, dass die Sicherung regelmäßig stattfindet. Zwar ist ein ein Jahr altes Backup immer noch besser als kein Backup, wirklich sinnvoll werden die Backups aber erst, wenn sie wirklich regelmäßig – am besten täglich oder wöchentlich – stattfinden. Nur dann ist sichergestellt, dass die Daten noch Relevanz haben und die Arbeit schnell wiederhergestellt werden kann. Macht euch also Erinnerungen, um euer Backup durchzuführen.

Bonuspunkte gibt es, wenn ihr eure Backups versioniert. Heißt: Sorgt dafür, dass ihr, auch nachdem ihr ein erneutes Backup gemacht habt, noch auf ältere Versionen zugreifen könnt. Das ist besonders dann hilfreich, wenn ihr versehentlich eine Datei löscht, dies aber erst in einem Monat merkt. TimeMachine und File History unterstützen dieses Feature standardmäßig.

5. Ein Wiederherstellen muss möglich, und möglichst einfach sein

Dieser Punkt wird sehr gerne vergessen. Testet das Wiederherstellen! Die beste Backup-Strategie ist sinnlos, wenn das Wiederherstellen überhaupt nicht funktioniert oder ähnlich aufwendig ist, wie das Zusammensuchen der Daten. Testet daher regelmäßig, ob eure Backups korrekt angelegt werden und ob sie beim Wiederherstellen alle wichtigen Daten beinhalten. Besonders riskant sind hier Two-Factor-Tokens und Banking-Apps.

Bildliche Darstellung unserer Backup-Strategie
Bildliche Darstellung unserer Backup-Strategie

Fazit

Ja, Backups sind nervig und benötigen konstante Aufmerksamkeit. Aber glaub mir, du wirst es nicht bereuen. Es muss nur einmal etwas schiefgehen, und schon bist du ohne Backup aufgeschmissen und wünchst dir, du hättest die fünf Minuten pro Woche dafür aufgewendet. Leider ist es dann schon zu spät…

 

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Veröffentlicht in Allgemein

Ein Kommentar

  1. Stefan

    Ich halte es so: Alles Wesentliche liegt in unserer privaten Nextcloud und Code wandert in Git-Repos. So bin ich im schlimmsten Fall nur einen Sync entfernt vom Weiterarbeiten und verliere maximal lokale Änderungen des Tages in Git. Dadurch dass ich auch online auf die Cloud zugreifen und dort die meisten Dokumente sogar direkt bearbeiten kann, wäre ich sogar noch schneller wieder am Ball.
    Ich würde heutzutage jedem empfehlen, sich für die wichtigsten Dokumente und Bilder einen Cloud-Speicherplatz nach deutschem Datenschuz zu holen.

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