Springe zum Inhalt →

Auslandskrankenversicherung und Reisehaftpflicht

Wir haben uns also entschlossen, den Schritt zu wagen und den Weg zum DiNo zu gehen. Und plötzlich stehen wir vor einer großen Anzahl an wichtigen Entscheidungen, die getroffen werden müssen. Was nehmen wir mit? Wie finanzieren wir die ersten Monate? Wo melden wir unseren ersten Wohnsitz an? Was machen wir mit all den Möbeln? Und vielleicht am wichtigsten, gerade für uns Deutsche: Wo werden wir versichert sein?

Vorab möchte ich sagen, dass wir alles andere als Versicherungsberater sind und daher keine qualifizierte Empfehlung abgeben können. Außerdem kommt es auch immer auf die aktuelle Lebenssituation an, daher kann eine allgemeine Entscheidung sowieso nicht getroffen werden. In unserem Fall war wichtig, dass wir möglichst kostengünstig eine Vielzahl an Ländern absichern können, und das im besten Fall zu zweit. Außerdem sind wir weiterhin in Deutschland gemeldet und führen dort ein Unternehmen. Zusätzlich reisen wir von Airbnb zu Airbnb.

All das sind die Voraussetzungen, die es uns ermöglichen, den nachfolgenden Weg zu nehmen. Wer nicht in Deutschland gemeldet ist oder eine Camping-Tour macht, wird unseren Weg nicht nehmen können.

 

Die Grundlagen

Wer in Deutschland gemeldet ist, benötigt auch eine deutsche Krankenversicherung. Diese zählt zu den Pflichtversicherungen und ist daher unabdingbar. Wer sich komplett aus Deutschland abmelden möchte, kann das natürlich tun, allerdings muss er dann auch seinen Personalausweis abgeben und kann keine Verträge mehr führen. Das kam daher für uns nicht infrage.

Da wir beide den Weg in die Selbstständigkeit nehmen bzw. genommen haben, besteht für uns die Möglichkeit, eine private Krankenversicherung in Deutschland abzuschließen. Diese ist gerade in den jungen Jahren wesentlich günstiger als die gesetzliche Krankenversicherung. Alternativ kann man sich aber auch, so habe ich gelesen, bei der gesetzlichen Krankenkasse in eine ruhende Mitgliedschaft konvertieren lassen, solange man auf Weltreise ist. Dann muss man für diesen Zeitraum keine Beträge zahlen, darf sich aber auch nicht im europäischen Ausland aufhalten, sondern muss außerhalb der EU reisen.

Damit wäre das größte Loch im Geldbeutel auch benannt: Die private Krankenversicherung. Auch, wenn sie wesentlich günstiger sein mag, als die gesetzliche, ist es trotzdem noch – gerade für zwei Personen – eine ordentliche Summe, die jeden Monat vom Konto abgebucht wird. Und damit ist dann noch nicht einmal das Ausland versichert. Zumindest bei unserem Tarif nur für bis zu 90 Tage.

 

SafetyWing

Abhilfe schafft hier natürlich die Reisekrankenversicherung. Sie ist eine Zusatzversicherung zur normalen Inlandskrankenversicherung und bietet je nach Anbieter ganz unterschiedliche Konditionen in ganz unterschiedlichen Ländern. Meistens kosten die USA und Kanada hierbei immer noch extra. Die günstigste Auslandskrankenversicherung, die wir finden konnten, ist die SafetyWing-Versicherung. Diese ist ein relativ junges Startup, das sich auf DiNos spezialisiert hat. Ohne USA-Schutz kostet sie 37 USD pro Monat pro Person. Wichtig hierbei ist, dass ein Monat hier nur vier Wochen oder 28 Tage sind, im Endeffekt zahlt man pro Jahr also 13 Beiträge. Mit USA-Schutz kostet die Versicherung dann plötzlich 68 USD pro Monat pro Person, also fast das doppelte.

Positiv fällt allerdings auf, dass es sich bei SafetyWing nicht nur um eine reine Krankenversicherung handelt, sondern auch noch eine Reiseversicherung sowie eine Haftpflichtversicherung inklusive ist. Zwar sind die Deckungssummen teilweise lächerlich gering, etwa 25.000 USD, wenn man versehentlich eine dritte Person verletzt, aber immerhin sind Fälle wie Reiseabbruch bei Krankheit oder verlorene Koffer mit abgedeckt.

Die Kombination aus insgesamt 147 USD pro Monat (68 USD * 13 Wochen (im Jahr) * 2 Personen / 12 Monate) und einer Deckungssumme, die im Ernstfall nicht einmal ansatzweise ausreicht, machten das Angebot für uns dann aber doch unattraktiv, obwohl sogar ein kurzer Aufenthalt im Heimatland mitversichert gewesen wäre. Auch zeitlich ist man absolut flexibel, da keine Rückkehr oder Maximalreisedauer vorausgesetzt wird.

 

Der ominöse Allrounder

Am Ende sind wir dann aber doch fündig geworden und haben eine Versicherung gefunden, die unseren Ansprüchen gerecht wird. Der einzige Nachteil: Wir dürfen nur maximal vier Monate pro Reise im Ausland verbringen, mit einer Maximalaufenthaltsdauer im Ausland von acht Monaten. Das bedeutet übersetzt: Alle vier Monate müssen wir für zwei Monate nach Deutschland zurück. Immerhin nicht zurück an die Meldeadresse, daher ist der Kompromiss für uns – zumindest für den Anfang – in Ordnung. Schließlich gibt es auch in Deutschland viele, schöne Orte.

Die Vorteile sind hingegen gravierend: Nicht nur bietet das Unternehmen die Leistungen zum gleichen monatlichen Preis von nur 55 Euro für bis zu sieben Personen (ja, richtig gelesen) an, diese sind auch noch umfangreich: Mit dabei ist eine Auslandsreise-Krankenversicherung, eine Reiserücktrittskosten-Versicherung, Reisegepäck-Versicherung und eine Reise-Privathaftpflicht-Versicherung sowie eine Reise-Unfallversicherung. Und sogar eine (begrenzte) Raub-, Diebstahl- und Beschädigungs-Versicherung ist inklusive.

Doch wartet, es gibt noch mehr! Jedes Jahr gibt es ein Reiseguthaben von 200 Euro, welches bei Partnern eingelöst werden kann, sowie einen 200 Euro-Gutschein für die SIXT Autovermietung und kostenlosen Zugang zu Flughafen-Lounges. – Und was ist mit den USA und Kanada? Sind die auch mitversichert? Na klar! Und die Deckungssummen sind im Vergleich zu SafetyWing phänomenal.

Es gibt nur noch einen kleinen Haken: Das Ganze ist kein Versicherungsunternehmen, sondern ein Kreditkartenanbieter. Ich rede von der American Express Platinum Card, welche für die bereits erwähnten 55 Euro pro Monat erhältlich ist. Vorausgesetzt wird hier natürlich eine entsprechende Kreditwürdigkeit und, und das ist das größte Manko, die Reise muss selbstverständlich über die Kreditkarte gebucht werden. Genauer: Flüge und Unterkünfte. Wer also mit dem persönlichen Wohnwagen oder Zelt in der Gegend rumreist, wird vermutlich keine Deckung erhalten. Da wir aber auf Airbnb setzen, und das mit der American Express bezahlt werden kann, greift für uns die Deckung.

Und ein weiterer Nachteil: Wer mit der American Express im Ausland zahlen möchte, muss bei jeder Transaktion in einer Fremdwährung 2% Gebühr zahlen. Es bietet sich also an für diese Fälle auf eine alternative Bank zurückzugreifen.

Trotz all dieser Nachteile und Einschränkungen ist für das Angebot jedoch verlockend gut und trifft ziemlich genau alle Punkte, die wir uns wünschen. Hoffen wir mal, dass eine eventuelle Schadensabwicklung reibungslos funktionieren wird.

 

Photo by Nayara Dinato from Pexels

Veröffentlicht in Finanzielles

Kommentaren

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.